Vielleicht hat sich der eine oder andere von uns bei den Osterfeierlichkeiten der vergangenen Jahre etwas schmunzelnd gefragt, wieso denn eigentlich Bienen in diesen gut fünfminutigen liturgischen Gesang Eingang gefunden haben:

Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche […]. Die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiss der Bienen für diese Kerze bereitet hat.

So seltsam, wie es einem beim Hören vielleicht vorkommen mag, ist es gar nicht, wenn man die Hintergründe dazu etwas kennt:

Jedem dürfte einleuchten, dass zur Zeit der Entstehung des Exsultet – im 4. Jahrhundert erstmals bezeugt – Kerzen nicht aus Paraffin, sondern aus Bienenwachs gefertigt wurden. Weniger bekannt dürfte allerdings sein, dass die Textfassungen des Exsultet der ersten christlichen Jahrhunderte ein mehrversiges Bienenlob enthielten, genau genommen eine nahezu biologiebuchartige Darstellung über Arbeit- und Lebensweise der Bienen nach Vergils Georgica, im ersten Jahrhundert vor Christus verfasst. Über die Angemessenheit eines Bienenlobes solcher Ausdehnung innerhalb dieses liturgischen Gesanges war man schon früh geteilter Meinung, und das mag auch einer der Gründe gewesen sein, die zu seinem Verschwinden spätestens im Zuge der Reformen im Anschluss an das Konzil von Trient 1570 führten.

Festzuhalten ist jedenfalls, dass die uns heute etwas seltsam vorkommenden Erwähnungen einen direkten Bezug zu jenem verschwundenen Bienenlob sind.

Aber warum fand solch ein Bienenlob überhaupt jemals Eingang in das Exsultet?

Nach antikem Verständnis galt die Biene als geschlechtslos: Sie sammelte ihren Nachwuchs aus Blättern und Kräutern und kannte also weder Beischlaf noch Gebären. Für Maria und deren jungfräuliche Keuschheit war die Biene also die Allegorie schlechthin, was von den Kirchenvätern verständlicherweise aufgegriffen wurde.

Das wird vielleicht noch deutlicher, wenn man weiss, dass in der liturgischen Übersetzung des Exsultet für den deutschsprachigen Raum dem andächtigen Besucher der Osternacht ein Detail vorenthalten wird: Wo wir im Deutschen hören, dass es der Fleiss der Bienen ist, die den Wachs für diese Kerze bereitete, steht im lateinischen Text eigentlich, dass die "apis mater" (die Biene, die Mutter ist) den Wachs herangebildet hat.

Wenn wir in gut altkirchlichem Verständnis den auferstandenen Christus in der Osterkerze sehen und in der Biene die jungfräuliche Mutter Maria, die ihn irdisch herangebildet hat, blitzt kurz auf, wie sehr Ostern und Weihnachten, Menschwerdung und Erlösung, eigentlich zusammengehören: Es kann nur sterben (und in besonderen Fällen auch auferstehen), wer auch geboren wurde.

Also geht es letztlich gar nicht um die Bienen an sich, sondern um Maria als Mutter Gottes.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!

Florian Moskopf, Kirchenmusiker!


Die Überschrift dieses Artikels ist Untertitel des Vorwortes eines im Verlag Friedrich Pustet erschienen Buches über das Exsultet von Guido Fuchs und Hans Martin Weikmann, das wärmstens zu empfehlen ist.

 

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