leonardo-da-vinci-abendmahlEs ist erstaunlich und macht immer wieder nachdenklich, wie Jesus sein Abschiedsmahl gestaltet. Wer ist hier eingeladen? Es sind die Freunde Jesu! «Es sind nicht Edle und Vornehme, keine Angesehene und Mächtige.» (1. Kor 1,27). Jesus selbst sagt, er sei gekommen, Sünder und nicht Gerechte zu berufen; und er macht seine Sendung wahr bis in die Auswahl seiner Freunde, bis in die Intimität des Abendmahlssaales.

 

Es heisst, es sei schwierig von einem Menschen schlecht zu reden, mit dem man am Tische sass und eine Mahlzeit geteilt hat. Und doch spricht die Erfahrung vom Gegenteil. So klagt der Psalmist: «Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot ass, hat gegen mich geprahlt.» (Ps 41,10). – Dieser Satz wird im Abendmahlsaal bitterste Realität. Mitten in der unmittelbaren Umgebung, im Kreis der engsten Freunde, bereiten sich Verrat, Verleugnung  und Flucht vor. Judas, einer der zwölf, schluckt den gereichten Bissen hinunter und stürzt sich in die Nacht, um das zu tun, was der Teufel ihm ins Herz gegeben hat (Joh 13,2). Nicht lange dauert es, bis Petrus, durch eine Dienstmagd durcheinander gebracht, seinen Herrn verleugnet. Alle insgesamt, kollegial könnte man sagen, flüchten und fliehen. Es war kein besonders geglückter Anfang für das Unternehmen «Kirche». 

Nachdenklich macht zudem, was aus diesem Abendmahl folgt: die Konsequenzen, das Echo, die Wirkungen bis zum heutigen Tag. Was dort begann, bleibt prägend und bezeichnend für die ganze kommende Zeit der Kirche. Die Einsetzung des Abendmahles gilt  als ein kirchenstiftender Akt, trägt das Prägemahl für alle Zeiten.  Hier also wurde das Fundament der Kirche gelegt, welches allein Christus ist; auf ihm wird die Kirche gebaut, mit «Steinen, die von den Bauleuten verworfen werden» (Mk 12,10), mit brüchigen und wenig verlässlichen Menschen. 

Es ist eine Kirche der Sünder, die zu Beginn zusammengerufen wurde. Sünder in ihren Gliedern, aber auch in ihren sichtbaren Trägern und Verantwortlichen; insgesamt ein Haufen von Menschen, die vielfach versagen und negativ von sich reden machen. Bis zum heutigen Tag. - Und doch bleibt rückblickend ein Schimmer der Hoffnung in diesem Obergemach, wo das Abendmahl eingesetzt wurde. Es ist der Raum, in dem sich einige Wochen später die gleiche Gruppe mit Maria und einigen Frauen versammeln wird, zur Bitte um den Heiligen Geist. Der Ort, wo der Verrat und die Zerstreuung begann, ist auch der Ort, wo die Flüchtigen zusammenkommen und gesammelt werden und wo durch das Wirken des Heiligen Geistes die Kirche neu gegründet wird: «Von ihm (dem Heiligen Geist) erfüllt, fingen die in einem Saale Versammelten in den Sprachen aller Völker zu reden an. Durch das Wunder wurden die Mörder des Herrn erschreckt. Im Innern betroffen, empfanden sie Reue und  Schmerz, schmerzempfindend änderten sie sich, geändert wurden sie gläubig.» (Aurelius Augustinus, Vorträge über das Johannes-Evangelium, 39,5). Mit diesen Gedanken wünschen wir Ihnen allen frohe und gesegnete Ostern!

 

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