Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes

«In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegen hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. »

Das ist die Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus

‘Familienbetrieb Reich Gottes’

In der ersten Zeit nach ihrer Berufung waren die Jünger ganz auf Jesus angewiesen. Ihre Abhängigkeit von Jesus, aber auch ihre Entwicklung zu selbständigen Nachfolgern, möchte ich mit der Entwicklung unserer Kinder und den Generationen unserer Familien vergleichen.

Jesus hat seinen Jüngern von Gott erzählt, ihnen gezeigt, was Gott durch ihn wirken kann, ihnen vorgelebt wie sie in der Welt wirken können, und ist ihnen wie eine liebende Mutter oder ein besorgter Vater vorausgegangen. Bis zu seinem Tod. In dieser Zeit haben die Jünger Jesus seine Arbeit machen lassen. Sie haben von ihm abgeschaut und sich belehren lassen. Das ging solange, bis sie selbständig genug waren, um selber mit der Verkündigung und der Wirkungstätigkeit zu beginnen. Nach seinem Tod haben die Jünger die Aufgaben Jesu in der Welt dann ganz übernommen. Ein bisschen so, wie Eltern die ihre Kinder langsam in den Familienbetrieb einarbeiten, bis diese soweit sind, ihn ganz zu übernehmen.

Bleiben wir noch beim Bild des Familienbetriebs. Jesus hat das Leben eines Menschen gelebt. Wie ein Familienoberhaupt hat er sich in dieser Zeit die Menschen aus seiner ‘Familie’ ausgesucht, die seine Botschaft und sein Werk nach seinem Tod weiterführen und weitertragen konnten. Diese ausgesuchten Jünger waren eine kurze Zeit mit Jesus unterwegs. Nach seinem Tod haben sie die Verantwortung übernommen und den Familienbetrieb weitergeführt. Und auch sie haben ihrerseits aus ihren ‘Familien’ wieder Jüngerinnen und Jünger gefunden, denen sie die Botschaft Jesu weitergegeben haben, damit diese sie in der Welt weiterverkünden sollten. Das ging so lange, bis die Tradition dieses Familienbetriebs bei uns angekommen ist. Nun sind wir die Jüngerinnen und Jünger, die den Familienbetrieb führen – jeder von uns in einem kleineren oder grösseren Bereich.

Dabei hat sich das Produkt das wir vertreten und anbieten nicht verändert. Verändert hat sich nur die Betriebsführung und die Vermarktung.

Die Botschaft Jesu und die Heilige Schrift verändert sich nicht. Wir hingegen ändern und verändern uns und jeder Mensch hat seinen je eigenen Stil und seine persönliche Art. So haben wir im Familienbetrieb Reich Gottes alle unsere je eigene Aufgabe um den Betrieb am Laufen zu halten, voranzubringen und Nachfolger zu suchen – bis zum Ende der Welt, bis zum Ende aller Zeiten…

Pastoralassistentin Erika Rauchenstein

Fürbitten

Jesus hat seine Jüngerinnen und Jünger seinem und unserem Vater im Himmel anvertraut. Mit ihm bitten wir:

  • Für alle Menschen, die mit einer schweren Last beladen sind. Schenke ihnen Menschen, die ihnen helfen, diese zu tragen.
  • Für alle Menschen, die das ganze Jahr hindurch für andere da sind. Lass sie in ihrer Aufgabe Erfüllung und Glück finden.
  • Für die Eltern aller Generationen. Steh ihnen mit deinem Heiligen Geist in ihrer Aufgabe bei, ihren Kindern vorauszugehen.
  • Für die Kinder aller Generationen. Lass sie die Liebe, aber auch die Führung und Leitung ihrer Eltern dankbar annehmen.
  • Für alle Menschen in der Nachfolge Jesu. Lass sie die Botschaft Jesus unverfälscht, aber der Welt und der Zeit angepasst weitergeben.

Guter Gott, wie du deinen Sohn Jesus im Gebet erhört hast, so erhörst du auch unsere Gebete. Dafür danken wir dir, durch ihn, der uns vorausgegangen ist – Jesus Christus. Amen.

Segensbitte

Der barmherzige Gott, der uns seinen Sohn als Wegbereiter geschenkt hat, segne uns und mache uns bereit ihm und den Menschen zu dienen. Jesus Christus, der das Kreuz trug und uns durch sein Sterben und Auferstehen dem ewigen Tode entrissen hat, umfange uns in seiner Liebe und führe uns in das unvergängliche Reich. Der Heilige Geist, der den Menschensohn durch sein Leben und über den Tod hinausgeleitete, stärke unseren Glauben und schenke uns die Kraft zur Nachfolge. Das gewähre und so segne uns und alle die wir lieben unser dreieiniger Gott: Der Vater der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


Siebter-Ostersonntag-2020.pdf