Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus

«Brüder und Schwestern! Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr hab ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in der Gemeinschaft mit Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen. Es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse. Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht.»

Das sind die Worte des lebendigen Gottes

‘Fragen und Antworten’

Kleine Kinder fragen uns gerne Löcher in den Bauch. Das kann uns manchmal ganz schön auf die Nerven gehen. Doch nur so lernen sie etwas dazu. Nur so kann ihre Neugierde gestillt werden. Es gibt kaum etwas schlimmeres als Kinder – oder auch Erwachsene – die keine Fragen mehr stellen. Denn wo jemand keine Fragen mehr stellt, da gehen auch die Antworten ins Leere. Jemandem, der keine Fragen hat, können wir auch keine Antworten geben. Wir können ihm vielleicht etwas aufdrängen, aber wirkliche mitgeben können wir ihm nichts.

Das gilt ganz besonders auch in Glaubensangelegenheiten.

Nur dort können wir den Glauben wirklich weitergeben, wo Menschen danach fragen. Jahrhunderte lang, bis in unsere Zeit hinein, wurde diese Tatsache, oder vielleicht besser, diese Weisheit ignoriert.

Die Kirche gibt nämlich gerne Antworten darauf, wo gar keine Fragen gestellt werden. Und umgekehrt weicht sie gerne den unbequemen Fragen aus.

Das führt zu Unverständnis und Missverständnissen.

Das ist ganz bestimmt nicht im Sinne Jesu. Jesus hat das nicht so gewollt. Zum Glück sind wir heute so weit, dass wir durch unser historisches Wissen und die Zeugnisse aus der heiligen Schrift erahnen können, wer Jesus war und was er wirklich wollte. Und wir wissen, wie sehr er die Menschen liebte, wie gütig er war und wie ihm das Wohl aller Geschöpfe am Herzen lag.

Wir müssen lernen unsere Glaubensfragen direkt an Jesus zu stellen und dann auf seine Antworten zu hören. Natürlich werden wir diese Antworten nicht mit unseren Ohren hören. Aber wir können sie in den heiligen Schriften nachlesen oder sie in Gebet und Meditation in unseren Herzen spüren.

Und wie wir Jesus fragen stellen und auf seine Antwort hoffen dürfen, so müssen wir jeden Tag neu lernen, auch unseren Mitmenschen Fragen zu stellen, ihre Antworten zu hören und selber Antworten zu geben.

Vielleicht werden wir durch unser Ringen um Fragen und Antworten auch andere Menschen motivieren, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen. So entsteht und lebt Beziehung unter den Menschen. So wird auch unser Glaube lebendig.

So kommen wir einander und Jesus näher.

Pastoralassistentin Erika Rauchenstein

Gebet

Ich lasse mich dir, heiliger Gott und bitte dich: Mach ein Ende aller Unrast.
Alle ungelösten Fragen, alle Mühen mit mir selbst, alle verkrampften Hoffnungen lasse ich dir.
Ich lasse mich dir, ich gehöre dir, Gott. Du hast mich in deiner guten Hand. Ich danke dir.
Amen.

Fürbitten

Lebendiger Gott, wir vertrauen auf dich und kommen mit unseren Bitten zu dir:

  • Erfülle die Menschen, die Fragen stellen und nach Antworten suchen, mit deinem heiligen Geist.
  • Rüttle die Menschen wach, die verlernt haben Fragen zu stellen.
  • Öffne allen Menschen ihre Sinne, damit sie die Anliegen ihrer Mitmenschen verstehen.
  • Mach uns bereit auf den Willen und die Botschaft deines Sohnes Jesus Christus zu hören und ihm zu folgen.
  • Lass alle Verantwortlichen in Kirche, Wirtschaft, Politik und Familie Vorbilder im Leben und im Glauben sein.
  • Nimm all unsere Verstorbenen auf in dein Reich. Und lass sie dort die Antworten finden, die sie ihr Leben lang gesucht haben.

Dreieiniger Gott, wir preisen dich und danken dir, heute und alle Zeit, bis in Ewigkeit. Amen.

Segensbitte

Dreieiniger Gott, du stärkst uns immer wieder neu durch deine Nähe und Fürsorge. Wir danken dir für deine Grosszügigkeit. Wir bitten dich, lass uns im täglichen Leben Zeugnis für dich ablegen, damit immer mehr Menschen Antworten auf ihre Fragen finden. Dazu segne uns und alle die wir lieben unser Dreieiniger Gott: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


Sechster-Ostersonntag-2020.pdf