osterkerze2020An Ostern steht jeder Mensch vor der Entscheidung. Wenn Jesus auferstanden ist und lebt, dann können wir ihm begegnen. „Ich bin bei euch alle Tage“, versichert Jesus seinen Jüngern vor der Himmelfahrt. Er meint also genau nicht, dass er für sie nun weiter weg sein wird als zur Zeit seines irdischen Lebens. Im Gegenteil: im Glauben wird Jesus persönlich erfahrbar, sogar inniger und beständiger als durch eine Berührung der Hände. Da-rum sagt er zu Maria aus Magdala: „Halte mich nicht fest“. Sie muss ihn nicht festhalten, denn wer glaubt wie sie, dem ist Jesus immer nah.

Auch wir alle können Jesus ganz konkret begegnen. Er ruft jeden persönlich bei seinem Namen. Maria aus Magdala hat seinen Ruf an jenem Ostermorgen gehört. Weichen auch wir diesem Ruf nicht aus!

Durch Jesus Christus ruft uns Gott zum Leben, zu einem Leben, das viel grösser ist, als das, was wir sehen und kennen. Denn die Gestalt dieser Welt vergeht ja. Auch wir selbst. Wer aber an Christus glaubt, wird leben in Ewigkeit.

Sie sehen rechts die diesjährige Osterkerze mit dem Regenbogen und der Taube mit dem Olivenzweig. Die Motive wurden vor Ausbruch der Corona-Pandemie ausgewählt, passen aber wunderbar in diese Zeit! Lesen Sie dazu die tröstliche Geschichte im Buch Genesis 8-9.

Im Namen des ganzen Pfarreiteams wünsche ich Ihnen frohe und gesegnete Ostern!

Pfr. Ernst Fuchs

 

Das Osterevangelium

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Mágdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. (…) Sie wandte sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbúni! das heisst: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria von Mágdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Joh 21, 1.14-18

 

Das Osterwasser - Symbol des Lebens

Seit Anbeginn der Menschheit gilt das Wasser als Symbol für das Leben und die Fruchtbarkeit. Das Osterwasser wird während der Osternachtliturgie gesegnet und steht ab Ostersonntag in der Pfarrkirche zum Mitnehmen bereit.

Gebet

Herr, unser Gott, sei deinem Volk nahe, das wachend und betend diese Osternacht feiert. Du hast uns wunderbar erschaffen und noch wunderbarer wiederhergestellt. Wir gedenken deiner grossen Taten und bitten dich:

Segne dieses Wasser, das uns an deine Sorge für uns Menschen erinnert. Im Anfang hast du das Wasser erschaffen, damit es der Erde Fruchtbarkeit bringt und uns Menschen zum frischen Trunk und zum reinigenden Bad wird.

Du hast das Wasser in Dienst genommen für das Werk deines Erbarmens: Im Roten Meer hast du dein Volk durch das Wasser aus der Knechtschaft Ägyptens befreit, in der Wüste mit Wasser aus dem Felsen seinen Durst gestillt.

Die Propheten sahen im Bild des lebendigen Wassers den Neuen Bund, den du mit uns Menschen schliessen wolltest.

Durch das Wasser, das Christus im Jordan geheiligt hat, reinigst du im Bad der Taufe den sündigen Menschen und schenkst ihm das neue Leben deiner Kinder.

Darum sei dieses Wasser eine Erinnerung an unsere Taufe, es vereinige uns in österlicher Freude mit allen, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind zum ewigen Leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Osterei

easter-4102073 640Die Tradition, am Osterfest Eier zu segnen, hat ihre Wurzeln be-reits im Urchristentum. Dabei handelt es sich nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen, um einen heidnischen Brauch, sondern um eine alte christliche Tradition. Schon seit frühester Zeit wird dem Ei eine besondere Symbolkraft zugewiesen. Das Ei galt in den antiken Kulturen und Religionen als ein Symbol für die Fruchtbarkeit.

Im Christentum wurde diese symbolische Deutung des Eies auf-genommen und mit der Segnung der Ostereier weiterentwi-ckelt. Hier steht die unversehrte Hülle des Eies nun einerseits für die Auferstehung Jesu:

Wie das Küken die Schale durchbricht, so kommt Jesus lebend aus dem Felsengrab. Deshalb diente das Ei bei den frühen Christen auch als Grabbeigabe. Andererseits verweist das Ei oft im Hintergrund oder als Randmotiv auf Marienbildern auf die jungfräuliche Geburt Jesu.

Nach einer alten Legende soll das Ei sogar mit der Leidensgeschichte Jesu in Verbindung stehen: Angeblich hat Maria Magdalena einen römischen Wachsoldaten mit einem Ei besto-chen, um auf diese Weise in das Haus des Pilatus eintreten und am Prozess Jesu teilhaben zu können.

Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“


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Wie kam die Biene ins Exsultet?

Vielleicht hat sich der eine oder andere von uns bei den Osterfeierlichkeiten der vergangenen Jahre etwas schmunzelnd gefragt, wieso denn eigentlich Bienen in diesen gut fünfminutigen liturgischen Gesang Eingang gefunden haben:

Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche […]. Die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiss der Bienen für diese Kerze bereitet hat.

So seltsam, wie es einem beim Hören vielleicht vorkommen mag, ist es gar nicht, wenn man die Hintergründe dazu etwas kennt:

Jedem dürfte einleuchten, dass zur Zeit der Entstehung des Exsultet – im 4. Jahrhundert erstmals bezeugt – Kerzen nicht aus Paraffin, sondern aus Bienenwachs gefertigt wurden. Weniger bekannt dürfte allerdings sein, dass die Textfassungen des Exsultet der ersten christlichen Jahrhunderte ein mehrversiges Bienenlob enthielten, genau genommen eine nahezu biologiebuchartige Darstellung über Arbeit- und Lebensweise der Bienen nach Vergils Georgica, im ersten Jahrhundert vor Christus verfasst. Über die Angemessenheit eines Bienenlobes solcher Ausdehnung innerhalb dieses liturgischen Gesanges war man schon früh geteilter Meinung, und das mag auch einer der Gründe gewesen sein, die zu seinem Verschwinden spätestens im Zuge der Reformen im Anschluss an das Konzil von Trient 1570 führten.

Festzuhalten ist jedenfalls, dass die uns heute etwas seltsam vorkommenden Erwähnungen einen direkten Bezug zu jenem verschwundenen Bienenlob sind.

Aber warum fand solch ein Bienenlob überhaupt jemals Eingang in das Exsultet?

Nach antikem Verständnis galt die Biene als geschlechtslos: Sie sammelte ihren Nachwuchs aus Blättern und Kräutern und kannte also weder Beischlaf noch Gebären. Für Maria und deren jungfräuliche Keuschheit war die Biene also die Allegorie schlechthin, was von den Kirchenvätern verständlicherweise aufgegriffen wurde.

Das wird vielleicht noch deutlicher, wenn man weiss, dass in der liturgischen Übersetzung des Exsultet für den deutschsprachigen Raum dem andächtigen Besucher der Osternacht ein Detail vorenthalten wird: Wo wir im Deutschen hören, dass es der Fleiss der Bienen ist, die den Wachs für diese Kerze bereitete, steht im lateinischen Text eigentlich, dass die "apis mater" (die Biene, die Mutter ist) den Wachs herangebildet hat.

Wenn wir in gut altkirchlichem Verständnis den auferstandenen Christus in der Osterkerze sehen und in der Biene die jungfräuliche Mutter Maria, die ihn irdisch herangebildet hat, blitzt kurz auf, wie sehr Ostern und Weihnachten, Menschwerdung und Erlösung, eigentlich zusammengehören: Es kann nur sterben (und in besonderen Fällen auch auferstehen), wer auch geboren wurde.

Also geht es letztlich gar nicht um die Bienen an sich, sondern um Maria als Mutter Gottes.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!

Florian Moskopf, Kirchenmusiker!


Die Überschrift dieses Artikels ist Untertitel des Vorwortes eines im Verlag Friedrich Pustet erschienen Buches über das Exsultet von Guido Fuchs und Hans Martin Weikmann, das wärmstens zu empfehlen ist.